Neuerungen in der Linux Distribution Fedora 19

Fedora Logo - cc-by wavemaker.free.frFedora 19 enthält eine Vielzahl von Neuerungen, von denen die wichtigsten im Laufe des Artikels erwähnt und, soweit möglich, auch ausprobiert werden. Hauptsächlich wird auf die Desktopumgebungen Mate und KDE eingegangen. Auf GNOME, das ohne Hardware-3D-Beschleunigung nur auf sehr schnellen Rechnern noch akzeptabel läuft, wird verzichtet, stattdessen wird ein Blick auf Cinnamon riskiert, das jedoch leider das gleiche Problem hat.

Überblick

Wie immer sei angemerkt, dass es sich hier nicht um einen Test der Hardwarekompatibilität handelt. Es ist bekannt, dass Linux mehr Hardware unterstützt als jedes andere Betriebssystem, und das überwiegend bereits im Standard-Lieferumfang. Ein Test spezifischer Hardware wäre zu viel Aufwand für wenig Nutzen. Falls man auf Probleme mit der Hardware stößt, stehen die Webseiten von Fedora zur Lösung bereit.

Da eine Erprobung auf realer Hardware nicht das Ziel des Artikels ist, werden für den Artikel drei identische virtuelle Maschinen, 64 Bit, unter KVM mit jeweils 1 GB RAM verwendet.

Installation

Fedora kann von DVD, Live-CDs oder minimalen Bootmedien installiert werden. Natürlich kann man aus einem ISO-Image auch ein USB-Medium für die Installation erstellen. Die Live-CDs, die es in den Varianten GNOME, KDE, LXDE und Xfce sowie einigen weiteren Spins gibt, sind aufgrund ihres geringen Umfangs eher eine Notlösung für die Installation, denn es fehlen dann unter anderem LibreOffice und Übersetzungen. Zwar erfolgt die Installation binnen Minuten, da hierbei offenbar mehr oder weniger nur ein Abbild der CD auf die Platte geschrieben wird, aber für normale, vollständige Installationen sind die DVD oder das minimale Image vorzuziehen, bei dem die eigentliche Distribution über das Netz installiert wird.

Sprachauswahl auf der Boot-DVD.

Die Installation von Fedora erfordert mindestens 786 MB RAM, wie schon in Version 18. Mit weniger als 768 MB ist die Installation noch mit Einschränkungen möglich. Für den Betrieb wird mehr als ein GB empfohlen, was aber allenfalls für ziemlich alte Rechner zu einem Problem wird.

Übersichtsseite der Installation.

Nachdem in Fedora 18 das Installationsprogramm Anaconda gründlich überarbeitet und seine Oberfläche völlig neu geschrieben wurde, stehen dieses Mal lediglich kleinere Verbesserungen zu Buche. Die Installation beginnt mit der Sprachauswahl, bei der interessanterweise Deutsch als Voreinstellung angeboten wird. Woher der Installer diese Vorauswahl bezieht, bleibt unklar.

Software-Auswahl.

Danach gelangt man zur Übersichtsseite, die sich gegenüber Fedora 18 ein wenig verändert hat. Hier ermittelt das Installationsprogramm im Hintergrund bereits einige Dinge, es steht einem aber frei, diese abzuändern, und zwar weitgehend in beliebiger Reihenfolge. Alle Punkte, die vom Benutzer zwingend noch bearbeitet werden müssen, sind mit einem gelben „Warndreieck“ markiert. Die einzige zwingende Aktion ist meist die Auswahl des Installationsziels. Die erkannten Festplatten werden durch ein Icon angezeigt. Dieses enthält nun im Gegensatz zu Fedora 18 auch den Gerätenamen (/dev/sda usw.), so dass sich auch Geräte unterscheiden lassen (zumindest für Experten), die identische Modellbezeichnungen haben.

Auswahl der Partitionierungsmethode.

Man muss nun nicht mehr zwingend die Installationsquelle auswählen, da das Installationsprogramm nun korrekt annimmt, dass man von der DVD installieren will, wenn man von dieser gebootet hat. Zu empfehlen ist noch die Auswahl der Tastaturbelegung. Hinter diesem Icon stehen alle Optionen zur Verfügung, einschließlich ungewöhnlicher Belegungen und Feineinstellungen.

Auch die Software-Auswahl sollte man sich noch ansehen, zumindest wenn man nicht GNOME, sondern eine andere Oberfläche installieren will. Es ist aber auch nötig, häufig benötigte Anwendungen wie LibreOffice explizit auszuwählen, sonst werden sie nicht mit installiert.

Bei der Partitionierung sind die gewohnten Optionen wie die Verschlüsselung der gesamten Festplatte oder einzelner Partitionen, RAID und LVM vorhanden. Auch das Dateisystem Btrfs wird wieder unterstützt, sogar mit seinen spezifischen Funktionen wie Subvolumes. Wer die automatische Partitionierung wählt, erhält ab dieser Version eine Auswahl zwischen „normalen“ Partitionen, einer LVM-Installation und einer Btrfs-Installation. Die beiden letzteren legen eine 500 MB große, mit dem Dateisystem ext4 formatierte /boot-Partition an. Bei LVM wird der restliche Speicher als Root-Partition verwendet, mit btrfs wird eine separate /home-Partition angelegt, die sich aber aufgrund der besonderen Eigenschaften von Btrfs den Plattenplatz mit der Root-Partition teilt. Im Endeffekt ist diese Lösung noch flexibler als LVM.

Neu ist in Fedora 19 die Möglichkeit, Speichermedien zu nutzen, die über Fiber Channel over Ethernet (FCoE), iSCSI oder Multipath eingebunden werden. Für Verwirrung sorgte bei mir der Versuch, eine bereits formatierte Festplatte nochmals komplett für eine Neuinstallation zu verwenden. Es war letztlich machbar, aber nicht ganz intuitiv.

Während die Installation dann im Hintergrund läuft, muss man das Root-Passwort setzen und kann optional auch Benutzer anlegen.

Wer bereits Fedora 18 installiert hat, kann mit dem Programm fedup auf Version 19 aktualisieren. Üblicherweise bezieht man dabei die ca. 1400 zu aktualisierenden Pakete über das Netz, aber auch andere Quellen sind möglich. Das Update auf Fedora 19 wurde für diesen Artikel nicht getestet. Man muss aber darauf achten, dass das Update das mehr als 300 MB große Bootimage an einem Ort ablegt, an dem genug Platz vorhanden ist.

Ausstattung

Nach der Installation ist keine weitere Konfiguration erforderlich. Es startet direkt der Login-Manager, der die ausgewählte Desktopumgebung startet. Der Login Manager von GNOME hat, so wie er von der DVD installiert wird, einen Fehler, der dazu führt, dass keine Passworteingabe angezeigt wird. Durch Auswahl eines Benutzers aus der Combobox lässt sich das Problem umgehen. Mit einem der ersten Online-Updates wurde es behoben.

Login im Display-Manager von Mate.

Unter den zahlreichen Neuerungen in Fedora 19 findet man neue und aktualisierte Programme für die Modellierung und den 3D-Druck, darunter OpenSCAD, Skeinforge, SFACT, Printrun und RepetierHost. Für Entwickler gibt es den Developer’s Assistant, OpenShift Origin für die Verwaltung von Clouds, die populäre Javascript- Plattform node.js zum Erstellen von skalierbaren Netzwerkanwendungen, Ruby 2.0.0 und Ruby 1.9.3 und die visuelle Entwicklungsumgebung Scratch.

Wer viele Rechner automatisiert installieren will, kann jetzt auch Syslinux anstelle von GRUB als Bootloader einsetzen. Systemd wurde in vielen Punkten verbessert. Unter anderem lassen sich die Einstellungen von Diensten ohne Neustart ändern. Fedora 19 bietet Checkpoint & Restore, womit sich ein Prozess, beispielsweise zur Lastverteilung, auf einen anderen Rechner migrieren lässt. Auch eine virtuelle Maschine kann mitsamt ihrer virtuellen Festplatte verschoben werden, ohne dass ein gemeinsamer Speicher für Ausgangs- und Zielrechner existieren muss. OpenStack, eine freie Verwaltungssoftware für private und hybride Clouds, wurde in der neuen Version „Grizzly“ aufgenommen. In Fedora 19 sind zusätzlich zu den Standardkomponenten von OpenStack auch die Projekte Heat und Ceilometer verfügbar. Erstmals findet man auch die open-vm-tools, eine freie Implementierung der VMware-Tools, im Archiv.

OpenLMI, eine gemeinsame Infrastruktur zur Verwaltung von Linux-Systemen, ist nun enthalten. Die neuen „High Availability Container Resources“ erweitern die Hochverfügbarkeitslösung Corosync/Pacemaker um Container in virtuellen Maschinen. Für Kerberos-Administratoren vereinfacht sich die Einrichtung von Client-Systemen.

Der Kernel in Fedora 19 ist derzeit Version 3.9. Als Desktop-Umgebungen stehen unter anderem KDE SC 4.10, GNOME 3.8, Xfce 4.10, Mate 1.6, LXDE und Sugar zur Verfügung.

Fedora 19 startet subjektiv etwa genauso schnell wie sein Vorgänger. Würde man es genau messen, könnte man möglicherweise eine kleine Beschleunigung feststellen, da Fedora jetzt den Inhalt der Initial Ramdisk optimiert. Das führt dazu, dass nur noch Treiber eingebunden werden, die für diesen Rechner benötigt werden. Dass dieses Verfahren fragil und sein Nutzen fragwürdig ist, muss wohl nicht extra betont werden. Ändert sich die Hardware-Ausstattung des Rechners in einer Weise, die auf den Bootvorgang Einfluss hat, muss man die Initial Ramdisk mit dracut --regenerate-all --force neu erstellen, möglicherweise von der Rettungs-Ramdisk aus. Man kann dieses Verhalten abstellen, indem man das Paket dracut-nohostonly installiert.

Wie immer ist SELinux eingebunden und aktiviert. Als normaler Benutzer merkt man überhaupt nichts davon, solange die Konfiguration korrekt ist. In Fedora 19 wie auch in der Vorversion trat kein sichtbares Problem im Zusammenhang mit SELinux auf. Für den Fall, dass ein Problem auftritt – sei es nach der Installation von zusätzlicher Software oder anderen Änderungen – steht ein Diagnosewerkzeug zur Verfügung.

KDE benötigt in Fedora 19 direkt nach dem Start mit einem geöffneten Terminal-Fenster etwa 500 MB RAM, Cinnamon 550 MB und Mate 270 MB. Bei der Geschwindigkeit sollte sich kein nennenswerter Unterschied zwischen den Desktops feststellen lassen, sofern genug RAM vorhanden ist und die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind. Beim Test unter Qemu musste für GNOME und Cinnamon leider auf das Software-3D-Rendering zurückgegriffen werden, was einige Einschränkungen zur Folge hatte. Es gibt aber immer noch Hoffnung, dass eine künftige Version von Qemu auch Hardware-3D unterstützt. Die Angaben zum Speicherverbrauch sind nur als Anhaltswerte zu sehen, die sich je nach Hardware und Messzeitpunkt erheblich unterscheiden können.

Cinnamon

GNOME 3.8 ist der Standard-Desktop von Fedora 18, wenn man nicht ausdrücklich KDE, Xfce, LXDE oder etwas anderes auswählt. Die vielleicht am sehnlichsten erwartete Änderung in GNOME 3.8 ist der Classic-Modus, der sich wieder eng an die Bedienung von GNOME 2 anlehnen soll. Technisch baut der Classic-Modus aber vollständig auf die modernen Features von GNOME 3 auf. Im Grunde handelt es sich nur um die GNOME-Shell, die mittels einiger Erweiterungen angepasst wurde. Anstelle von GNOME betrachtet dieser Artikel jedoch einmal Cinnamon, den von Linux Mint initiierten Fork der GNOME-Shell. Cinnamon besitzt keinen Classic-Modus, sondern ist in jeder Einzelheit darauf bedacht, möglichst eng am Verhalten von GNOME 2 zu bleiben. Das ist den Entwicklern in frappierender Weise gelungen. Allerdings wurde das in GNOME 2 übliche obere und untere Panel zu einem einzigen zusammengefasst und am unteren Bildschirmrand eingeblendet, was vom Aussehen mehr an KDE erinnert. Auch das Menü wurde erneuert, enthält aber immer noch die klassischen Kategorien von Anwendungen.

Cinnamon 1.9-Desktop mit einigen Applikationen.

Der Standard-Webbrowser unter Cinnamon ist Firefox 22.0. Der Dateimanager Nemo, eine Cinnamon-Abspaltung des GNOME“=Dateimanagers Files (ehemals Nautilus), bewahrt die Funktionen, die in GNOME entfernt wurden, darunter die Möglichkeit, mehr als eine Ansicht zu öffnen, die Baumansicht auf einer Seite und das Suchen, während man Zeichen eingibt.

Die GNOME-Shell und somit auch Cinnamon können dank Software-Rendering auf jeder Hardware laufen, auch wenn keine Hardware-Beschleunigung zur Verfügung steht. Das Software-Rendering ist einigermaßen schnell und durchaus noch benutzbar, doch wird man es wohl kaum ertragen, wenn man keinen sehr schnellen Prozessor hat. Die Situation bessert sich mit einem Mehrkern-Prozessor, doch Videos wird man damit wohl nicht in brauchbarer Geschwindigkeit abspielen können. Jedenfalls war es in diesem Test nicht möglich.

KDE

KDE ist in Version 4.10 enthalten, aber seit Fedora 18 nur noch als „Spin“ mit einer KDE-Live-CD. Zur Installation muss man die Fedora-Installations-DVD verwenden und bei der Software-Auswahl KDE und die benötigten Anwendungen auswählen. Den Umfang der installierten KDE-Anwendungen bestimmt man damit selbst.

Login im Display-Manager von KDE.

Qt Quick wird in den Plasma-Workspaces 4.10 noch intensiver als zuvor genutzt. Die bereits in KDE SC 4.8 eingeführten Qt-Quick-Plasma-Komponenten, die eine standardisierte API-Implementation von Widgets mit dem nativen Plasma-Aussehen bereitstellen, wurden um neue Module ergänzt. Viele weitere Plasma-Komponenten wurden neu in Qt Quick konzipiert. Unter anderem setzen die Systemleiste, der Pager, Systembenachrichtigungen und die Wetterstation auf die neue Technologie auf. Zudem haben die Entwickler die Bildschirmsperre überarbeitet, die nun ebenfalls auf Qt Quick beruht. Dank der ebenfalls auf Qt Quick aufsetzenden Wallpapers-Engine ist es nun einfacher, animierte Desktophintergründe zu erstellen.

KDE 4.10-Desktop mit einigen Applikationen.

Die Umgebung wurde um das neue Air-Theme erweitert, das in Fedora aber nicht der Standard ist. Der Window-Manager KWin enthält nun eine Integration von „Get Hot New Stuff“ (GHNS), mit der zusätzliche Effekte und Skripte heruntergeladen und aktiviert werden können. Mit diesen lässt sich auch das Verhalten von KWin ändern. Der Window-Manager erkennt zudem auch unter Umständen, dass er in einer virtuellen Maschine läuft, und schaltet dann OpenGL-Compositing ein, wenn möglich. Mit dem proprietären AMD-Grafiktreiber ist jetzt auch OpenGL 2 möglich. Mehrere Anwendungen unterstützen jetzt die Farbkorrektur unter Verwendung von Farbprofilen. Das KDED-Modul KolorServer kann die Farbkorrektur für jedes Ausgabemedium separat festlegen, in einer kommenden Version soll dies für jedes einzelne Fenster möglich sein. Die Farbkorrektur in KWin befreit den Kompositor von dieser Aufgabe und ermöglicht es, die Farbverwaltung abzuschalten.

KDE erhielt ein Anwendungsmenü ähnlich dem in Unity, bei dem mehrere Anwendungen ein gemeinsames globales Menü nutzen und immer nur das Menü der aktiven Anwendung sichtbar ist. Dies kann optional in einer Menüleiste am oberen Bildschirmrand dargestellt werden, die nur dann eingeblendet wird, wenn man mit der Maus an den Oberrand fährt. Das Menü soll auch bei Verwendung mehrerer Bildschirme korrekt funktionieren und kann beliebig platziert werden. Es kann auch in die Titelleiste der Anwendung verlegt werden. Wo es bereits genutzt wird, konnte jedoch nicht ermittelt werden.

In Fedora 19 ändert sich an KDE nichts Grundlegendes gegenüber der Vorversion. Die neuen Funktionen werden von den Benutzern sicherlich begrüßt, und die Farbkorrektur dürfte eine wichtige Neuerung sein. Als Office-Suite ist anstatt LibreOffice die Anwendung Calligra Office installiert, doch hindert einen nichts daran, das zu ändern. Der Standard-Webbrowser ist Konqueror, augenscheinlich ohne Änderungen an den Standardeinstellungen.

KDE präsentiert sich weiterhin als angenehm zu benutzen und problemlos. Hier sind die traditionellen Bedienelemente unbeschädigt erhalten und es gibt Einstellungsmöglichkeiten bis zum kleinsten Detail. Die Plasma-Oberfläche für Mobilgeräte ist vollständig separat von der Desktop-Variante und kann diese daher auch nicht beeinträchtigen. Die Anwendungen bieten einen großen Funktionsumfang und sind konfigurier- und erweiterbar. Natürlich gibt es bisweilen andere freie Anwendungen, die den KDE-Anwendungen überlegen sind oder von einigen Benutzern bevorzugt werden, aber viele KDE-Anwendungen sind gut und nützlich.

Mate

Mate versucht den eigentlich toten GNOME 2.32-Zweig am Leben zu erhalten oder wiederzuerwecken. Wie bei Cinnamon beruht seine Entwicklung darauf, dass viele Benutzer (wie viele, ist zwar fraglich, aber letztlich nicht entscheidend) mit GNOME 3 nichts anfangen konnten. Tatsächlich sieht Mate bis auf einige geänderte Icons genau wie GNOME 2.32 aus. Viele Programme wurden umbenannt oder ersetzt, doch einige haben noch „gnome“ im Namen. Mate präsentiert sich schlank und schnell, wie man das von den letzten GNOME-2-Versionen gewohnt war. Die Anzahl der Einstellmöglichkeiten wurde noch erweitert. Für viele Anwender dürfte Mate damit auf dem richtigen Weg sein – einem Weg, den GNOME nach ihrer Ansicht nie hätte verlassen dürfen.

Mate 1.6-Desktop mit einigen Applikationen.

Als Webbrowser wird unter Fedora 19 Firefox 22.0 ohne Erweiterungen installiert. Statt Evolution setzt man auf Claws als Mailprogramm. Mate ist schlichtweg perfekt für alle, die bei GNOME 2 bleiben wollen.

Firefox in Mate.

Technisch wird die Mate zugrundeliegende Bibliothek GTK+ 2 im Laufe der Zeit veralten. So sollte man jedenfalls denken, zumal es momentan wohl keinen offiziellen Betreuer dieser Version gibt. Doch GTK+ ist freie Software, und keine Version davon wird sterben, wenn sich jemand der Sache annnimmt. Und im Mate-Lager herrscht offenbar die Ansicht, dass es bald wieder so weit sein wird. Etliche Entwickler haben mittlerweile schlechte Erfahrungen bei der Portierung von GTK+ 2 nach GTK+ 3 gemacht. GTK+ 3 werde demnach immer mehr zu einer ausschließlich GNOME dienenden Bibliothek, so die Meinung einiger Entwickler. Ständig werden Änderungen ohne Rücksicht auf die Kompatibilität zu den Vorgängerversionen gemacht. Dabei wurde seit Version 3.0 nicht einmal etwas Wesentliches zu der Bibliothek hinzugefügt.

Multimedia im Browser und auf dem Desktop

Wegen der Softwarepatente in den USA kann Fedora, ebenso wie die meisten anderen Distributionen, nur wenige Medienformate abspielen, da es viele benötigte Codecs nicht mitliefern kann. Wenn man versucht, eine MP3- oder Videodatei abzuspielen, dann bieten die gängigen Player aber die Option an, über die Paketverwaltung nach passenden Plugins zu suchen.

Damit die Suche in der Paketverwaltung Aussicht auf Erfolg hat, muss man vorher die zusätzlichen Repositorys von RPM Fusion eintragen. Das muss man wissen oder durch Suchen im Web herausfinden. Die Repositorys kann man eintragen, indem man die Webseite von RPM Fusion besucht. Von dieser kann man Pakete installieren, die die Repositorys hinzufügen. Dies gilt für alle Desktops gleichermaßen. Die Installation funktioniert prinzipiell mit Konqueror und Firefox. Bei ersterem fiel auf, dass viel zu oft das Root-Passwort verlangt wurde und am Ende eine Fehlermeldung scheinbar den Fehlschlag der Aktion verkündete. Doch trotz dieser Meldung war alles installiert. Nicht viel besser war es unter Cinnamon mit Firefox. Dort wurde nach der Eingabe des Passwortes trotz korrekter Eingabe in der Dialogbox die Zeile „Entschuldigung, das hat nicht geklappt“ angezeigt, nur um dann fortzusetzen und die Pakete korrekt zu installieren. Ob es vielleicht nach Jahren einmal irgendjemanden interessiert, dass diese Fehler, die eigentlich ein absolutes Unding sind, endlich korrigiert werden?

Abspielen von WebM-Videos mit Firefox in Mate.

Keinerlei Probleme machte die Installation dagegen unter Mate. Nur eine Passworteingabe, einmal bestätigen und das Paket war installiert, ohne dass reale oder tatsächlich gar nicht existierende Fehler gemeldet wurden. Danach ist es ratsam, gleich die benötigten Softwarepakete zu installieren. Das erspart mögliche Probleme, bei denen die Anwendungen die nötigen Plugins doch nicht finden, falsch installieren oder Ähnliches, wie es zumindest bis Fedora 18 durchaus vorkam. Zudem muss man die Anwendungen meist neu starten, nachdem ein Plugin installiert wurde. Am schnellsten und einfachsten ist somit eine manuelle Installation der GStreamer-Plugins, insbesondere gstreamer1-plugins-ugly und gstreamer1-libav (gstreamer-plugins-ugly und gstreamer-ffmpeg für die ältere Version 0.10 von GStreamer).

Standard-Player für Audio und Video ist unter Cinnamon der GNOME-Player „Videos“, früher „Totem“ genannt. Unter KDE sind es Amarok und Dragonplayer. Während Amarok funktionierte, stoppte Dragonplayer das Abspielen jedes Videos nach wenigen Sekunden und funktionierte danach nicht mehr richtig oder stürzte ab. Dragonplayer war, wie alle anderen von KDE mitgelieferten Player vor ihm, noch nie ernsthaft zu gebrauchen. Man installiert besser ein bewährtes Programm wie (S)MPlayer, VLC oder Xine. Oder besser alle drei.

Unter Mate trübten zwei kleine Probleme den bis dahin guten Eindruck. Es stellte sich heraus, dass kein Audio- und kein Videoplayer installiert war, jedenfalls war auch bei gründlicher Suche keiner zu finden. Man muss also einen Player in der Paketverwaltung, die in dieser Hinsicht alles andere als komfortabel ist, suchen und installieren. Auswahl gibt es dabei genug – seltsam ist allerdings, dass keine Version von Totem für GNOME 2.32 bzw. Mate vorhanden ist. Beim Abspielen selbst gab es dann keine Problem mehr. Lediglich der Dateimanager Caja stürzte bei einer Aktion ab. Solange so etwas nur beim Abspielen von Mediendateien passiert, ist es lediglich ein kleines Ärgernis, und vielleicht steht schon bald ein Update zur Verfügung.

Nachdem das Flash-Plugin für Firefox eingestellt wurde, gestaltet sich die Situation beim Abspielen von Flash-Videos aus dem Web etwas schwieriger. Eine Alternative ist natürlich Google Chrome, der den Flash-Code von Adobe eingebaut hat. Wer den unfreien Browser nicht nutzen will, hat immer noch einige Möglichkeiten. So ist das Videoformat WebM inzwischen recht verbreitet und funktioniert einwandfrei, beispielsweise bei der Tagesschau. Auf Youtube und anderen Videoseiten wird man dagegen nicht jedes Video im WebM-Format finden. In manchen Fällen hilft die freie Flash-Implementation Lightspark, die in Version 0.7.2, also nur geringfügig verbessert gegenüber Fedora 18, vorliegt, und leider nach wie vor unzuverlässig ist. Teilweise war sie nicht in der Lage, die Audiospur eines Videos wiederzugeben, obwohl das Video selbst sichtbar war. Funktioniert das alles nicht, kann man immer noch das Video herunterladen und in einem externen Player öffnen.

Paketverwaltung und Updates

Wenig hat sich bei der Paketverwaltung getan. Für die Installation bzw. Deinstallation und das Aktualisieren von Paketen existieren weiterhin separate Anwendungen, die aber auch von der Paketverwaltung aus aufgerufen werden können. Sie funktionieren normalerweise reibungslos und die Updates sind dank Delta-RPMs oft erstaunlich klein und schnell installiert.

Paketverwaltung gpk-application in Cinnamon.

Die Paketverwaltung baut unter GNOME und KDE grundsätzlich auf PackageKit auf. Die Programme – gpk-application 3.8.2 bzw. apper 0.8.1 – sind komfortabel genug. Etwas Vergleichbares wie das Software Center von Ubuntu bietet Fedora jedoch nicht.

Paketverwaltung Apper in KDE.

Mate verwendet die grafische Oberfläche Yumex (Yum Extender) für die Paketverwaltung. Das Programm funktioniert recht ordentlich, allerdings besitzt es eine Unart, die in anderen Programmen bereits beseitigt wurde: Es zeigt sowohl die 32- als auch die 64-Bit-Softwarepakete an, obwohl man normalerweise nur eines davon benötigt. Auch die Suche nach Anwendungen ist nicht sehr komfortabel. Interessant ist dagegen, dass man mit Yumex den Verlauf der Software-Installationen und Updates ansehen kann. Und da diese seit einiger Zeit als Transaktionen ausgeführt werden, ist es auch möglich, diese rückgängig zu machen. In den Programmen von Cinnamon/GNOME und KDE fehlt diese Möglichkeit. DNF, ein möglicher und teilweise schnellerer Ersatz für Yum, wurde von Version 0.2 auf 0.3 aktualisiert. DNF ist zwar inoffiziell, aber wer gerne auf der Kommandozeile arbeitet, kann ruhig damit experimentieren.

Paketverwaltung YumEx in Mate.

Fazit

Es liegt in der Natur der Sache, dass man bei der Installation eines neuen Systems auf Neuerungen stößt, die man erst einmal als ärgerlich oder unverständlich empfindet. Bisweilen ist es nötig, damit Erfahrungen zu sammeln, bis man sie verstanden hat und sie akzeptiert. Manchmal, aber bei weitem nicht immer, handelt es sich um echte Fehler. Beides macht man bei Fedora jedes halbe Jahr mit. Was die Fehler betrifft, so halten sie sich in Fedora 19 in engen Grenzen, und viele anfängliche Fehler wurden schnell behoben.

Insgesamt ist Fedora für die hohe Qualität zu loben, die das Projekt mit Version 19 abgeliefert hat. Obwohl einige bedeutende Neuerungen eingeflossen sind, ist die neue Version in einem ausgezeichneten Zustand. Vielleicht spiegelt das aber auch nur die allgemeine Weisheit wider, dass die neueste Version von freien Softwareprojekten fast immer die beste ist.

Fedora Logo - cc-by hroncokBedeutende Neuerungen gegenüber Fedora 18 sind die Aufnahme von Cinnamon als Desktop-Option und die erneuerte Version von Mate. Beides wird Anhänger des alten GNOME jubeln lassen. Wie zahlreich die Nutzer von Mate bzw. Cinnamon sind, lässt sich zwar nicht beziffern, beide Umgebungen sind jedoch, rein subjektiv gesehen, für Desktops die bessere Wahl als GNOME. Enttäuschend ist, dass es es keinen Enlightenment-Spin zu geben scheint, ja nicht einmal E17-Pakete im Repository, was nach dem Erscheinen von Enlightenment 17 doch wünschenswert gewesen wäre. Doch Desktopumgebungen sind ein Stück weit auch Geschmackssache, und neben den genannten stehen noch andere zur Nutzung bereit, so dass nahezu jedem geholfen werden kann.

Von den weiteren Neuerungen soll noch hervorgehoben werden, dass man nun ein rein auf btrfs beruhendes System einrichten kann, was bisher zumindest nicht auf so einfache Weise möglich war. Damit können nun viel mehr Benutzer direkt von den überragenden Fähigkeiten des neuen Dateisystems profitieren.

Insgesamt hat sich an der Ausrichtung von Fedora nichts geändert. Fedora bringt reichliche und häufige Updates und ist damit immer aktuell. Doch das ist auch die größte Schwäche der Distribution: Die Basis ändert sich ständig und es gibt keine Version mit langfristigem Support. Alle sechs Monate, spätestens aber nach 13 Monaten mit dem Ende des Supports der installierten Version, ist das Update auf die neueste Version Pflicht. Das ist normalen Anwendern nicht zumutbar, nicht nur wegen des Aufwands, sondern auch weil es dabei durchaus zu unliebsamen Überraschungen kommen kann. Andere Distributionen, insbesondere Ubuntu oder Debian, bieten nicht nur wesentlich längeren Support, sondern ermöglichen auch das Update ohne Unterbrechung des Betriebs.

Für mich bleibt es dabei, dass Fedora in erster Linie für erfahrene Benutzer geeignet ist, die immer die neueste Software wollen und auch kein Problem mit den Updates haben. Andere Benutzer haben keine vollständig mit Fedora vergleichbare Alternative. Es gibt natürlich Red Hat Enterprise Linux und einige davon abgeleitete Distributionen, aber diese Distributionen sind eben nicht exakt Fedora, schon weil sie nie genauso aktuell sein können. Dennoch stellt Fedora eine der besten Optionen dar, sich den aktuellen Stand der Technik in Linux anzusehen.

Der Artikel Fedora 19 von Hans-Joachim Baader, erschienen bei freiesMagazin unterliegt der CC-BY-SA-3.0 Unportted. Es wird die Erlaubnis gewährt, den Artikel unter den Bestimmungen der Creative-Commons-Lizenz zu kopieren, zu verteilen und/oder zu modifizieren.